aus der Poesie entstand die Sprache

Geschichte der Menschheit, Kultur und Sprache

Der Urknall war wahrscheinlich vor 14 Milliarden Jahren.

Das war der Beginn aller Materie, vorher war irgendwas, vielleicht sogar nix.

Aber alle Teilchen, alle Atome, Elektronen, alle Schwingungen und alle Kräfte stammen aus dem Urknall. Der war vor 14 Milliarden Jahren.

Setzen wir 1000 Jahre auf einen Millimeter. Dann war der Urknall 14 Kilometer zurück. Das ist Luftlinie von Bonn Hbf bis zum Eltzhof in Köln-Wahn. In Bonn war der Urknall. Nach etwa 10 Milliarden Jahren, also Höhe Spich, entstand die Erde. Vor 600 Metern, ungefähr an der Autobahnauffahrt, entstand mehrzelliges und komplexes Leben. Seit 30 Metern gibt es Menschenaffen, seit 3 Metern den Menschen, seit 1,5 Metern wird das Feuer beherrscht, Jesus wurde vor 2 mm geboren. Die Menschenrechte, Börse und Meinungsfreiheit gibt es seit 300 Jahren, das sind 3 Haaresbreiten.

Was hat das mit Sprache zu tun?

Von der Abfahrt Wahn an entwickeln sich weltweit die lebendigen Töne, seit 2 m vor hier entwickelten wir gemeinsame Töne und bauen eine Kommunikation auf. Vor 4 Haaresbreiten begann eine Trennung unser gemeinsamen Sprache in das, was heute Deutsch, Englisch und Niederländisch heisst. Den weitaus größten Teil dieser Entwicklung sind wir gemeinsam gegangen. Im Grunde verstehen wir uns immer.

Angefangen hat es für uns Menschen wie für alle Säugetiere im Meer, Töne dort im Wasser entstammen nicht dem Atem sondern liegen im Ultraschallbereich. Vibrationen im Kleinsten , weit weit tragend in die Weite der Ozeane. Walgesänge. Das Leben danach an Land wurde ein Quaken. Später flöten Vögel in die Ohren, unter Affen wird gegrunzt, geqietscht, ge-hughahugha usw. Der Jäger schreit ääärghh oder go go go, der Sammler sagt gut gut gut zu seinen Hühnern und auch gut gut gut zu seinen Erbsen und auch zu seinen Kindern und zu seiner Frau.

Vor den Affen waren wir Vierfüßler. Unser Blick ging zwischen den Vorderpfoten hindurch nach oben zum Horizont. Futter, Feinde und Sex, Mama, Papa, Rudel/Clan und Familie, Wind und Wetter, Tag und Nacht, gefährlich, hungrig, survival. Auf zwei Beinen laufen heißt den Himmel entdecken. Jahresrhythmus und Nachtwache, Mittagshitze, Waldesleben und ewige Unsicherheit und steter Wunsch nach Sicherheit prägen ein rauhes Leben, in Höhlen, Zelten und Hütten, viel viel später in Häusern.

Kultur entstammt dem Ritus. Gesänge, Feuer, Geburt und Tod, Kriege und heilige Tage, Rituale, Schwüre, um Gesundheit bitten und um Vergebung flehen, Jagdzeremonien, Opferungen, Hochzeiten.

Wir suchen die Sprache, finden sie in schriftlich überlieferten Texten.
Die ältesten sind ein paar tausend Jahre alt.
Sprache aber ist 10 mal so alt, oder noch älter.
Die Geschichte der mündlichen Sprache ist supersuper dunkel.

Ich behaupte: die Sprache entwickelte sich aus der Lyrik.

Die Sprachforschung will sich nicht festlegen, aber die ersten Begriffslaute entsprangen emotionalen oder familien-organisatorischen Vorgängen, manchmal im Stress, immer mit der Energie des Sagen-Wollens.

iiii für Ekel und Angst, grrrr für Agressivität und Wut, ohh und ahh für Erstaunen, Lust und Seeligkeit und sss fürs gefährlich warnende Aufmerksamsein. Sprache ist immer extrovert. Bringt nach aussen, was von innen her gesagt werden will.

Und das Lachen als Entwarnung. Im Busch raschelt was, alles geht in die Anspannung. Aber es ist kein Löwe, es ist die Tochter vom Häuptling. Lachen. Der Clan entspannt wieder und ist im optimalen Besitz seiner Kräfte.

Erste Worte waren hop hop hop zur Übermittlung von Bewegungsmustern, huahh fürs Antreiben der Herde oder Vertreiben von Raubtieren, omm fürs Gebet und restimulierte Erfahrung vom Tor zur tiefsten Bestätigung von eigenem Geist und Gott und der Welt.

Hop hop hop,    flatsch,    ks-ks-sch und alle seine Verwandten; wie das hummhm hummhm im Schlaflied oder das tschrakk trschak des Gruppenmarsches, – das alles sind Laute die Bilder meinen.

Am Anfang war gesprochene Urlyrik. Viel viel später erst gab’s schriftliche Texte.

Im Anfang war das Wort
Alles ist durch das Wort geworden

und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
So beginnt das Johannes-Evangelium, aufgeschrieben im 2. Jhdt, also grob gesagt vor knapp 2000 Jahren. Das lehren uns die Christen: ohne Worte ist nix.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde
steht am Ende des Affenmenschen –  so stehts geschrieben nochmal 1000 Jahre zurück im Alten Testament in der Genesis

Der Anfang (dessen was diese Schrift beschreibt) ist da, wo Menschen begreifen, daß der Himmel und die Erde einen Anfang hatten. “Ich benenne es, also ist es”, dieser Gedanke ist älter als “ich denke, also bin ich” – ich glaube, fühle und nehme wahr, also gibt es das alles.

Am Anfang war das Wort
heisst: Da sind Menschen, die begreifen, daß Sprache Macht ist.


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