Der rostige Nagel

Wahrheit ist:

Kunst ist teuer, Schönheit aber unbezahlbar; damit auch wertlos? umsonst und gratis? sinnlos und billig?

Schönheit ist überall, verborgen, sichtbar, gratis, umsonst.

Die immerwährend mögliche, also heilignüchterne Entdeckung von Harmonie, Ordnung und Entwicklung, die Schönheit von Sternenhimmel, Universum, Blumen, Eiskristallen, von Tempeln, Fotos mit was auch immer drauf, Zahlenverhältnisse und Diamanten,

diese Schönheit ist wertlos in der Materie, wahrhaft unbezahlbar; ist bloße Wahrnehmung und immer ausschließlich im Geiste vollzogen. Niemand, kein Penner und keine Madonna muss auch nur einen roten Heller dafür hinlegen, um Schönheit zu sehen, zu entdecken und zur eigenen Wahrheit zu führen.

Wertvoll ist die Kunst; das, was die alten Griechen techné nannten, und damit teuer.

Heute übersetzen wir techné mit Technik und denken an Maschinen und Devices; der Bühne techné sind Studium, Übung und Ernsthaftigkeit; Stimme, Körper und Atem; Ausdruck, Führung und Bewusstheit; kunstvoll ein Fahrzeug steuern oder einen Hang runter rodeln ist Technik und nicht techné.

Kunst ist Macht über das Gefühl im Fremden. Kunst ist Mut auf hoher techné.

Schönheit ist Wahrheit.

Es gibt aber keine Wahrheit, die gestern galt und heute nicht mehr (‘galt’ kommt von ‘gelten’ und meint Wertschätzung, also Geld!).

Wahrheit ist immer, auch jetzt und hier. Ich ärgere mir jedes mal einen platonischen Kanthegel aufs Sofa, wenn ich vernehme, von wem auch immer, dass etwas früher Wahrheit gewesen sei, jetzt aber eine korrigierte Wahrheit darstelle.

Dass ein Begriff wie ‘Fake-News’ in den allgemeinen Sprachgebrauch  wuchert, ist Verrat an der Sprache. So etwas heisst Lüge und Propaganda. Basta.

 

 


An die klugen Rathgeber und die 5. Symphonie | Arbeitsproben und Information  |  Januar 2018  |  aktuelles Textbuch  |  Die goldene Nadel  |  Der rostige Nagel  |  Brod und Wein zu Op. 131 | Arbeitsproben und Information  |  Finanzierung