Helmbrecht

eine blutsdunkle Vater-Sohn-Katastrophe

Projekt

Aus dem Dorfspiel ’88 in Mehring/Obb folgte im Jahre 2000 die Aufgabe zur Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit zu diesem großen Laienspiel.

Inhalt

Die Entstehung des Helmbrecht fällt in eine der aufregendsten Epochen unserer Geschichte.

Während die scharfsinnigsten Denker der Hochscholastik das Kunststück vollführen, mithilfe von Gottesbeweisen auch die mittelalterliche Welt als gottgewollte Ordnung festzuschreiben, stürzt diese überall zusammen: Roger Bacon erklärt Versuch und Erfahrung zur Grundlage jeder Wissenschaft und Giotto weist mit seiner Darstellung des Körperhaften in der Welt wie sie wirklich ist, der Malerei einen neuen Weg. Dante dichtet erstmals in der Volkssprache. Kublai Khan, der Enkel Dschingis Khans begegnet in Peking dem Weltreisenden Marco Polo.

Die Bevölkerungszahlen unserer Heimat vervielfachen sich innerhalb weniger Generationen, die Städte boomen, die Geldwirtschaft beginnt, durch die Drei­felder­wirtschaft erlangen viele Bauern erstmals einen relativen Wohl­stand, die erste Pest ist noch weit weg, überall bricht sich der Handel seine Bahn.

Gleichzeitig verfallen Tugend und Moral des Adels und des Ritterstandes, die Kreuzzüge scheitern, und damit auch die von ihnen erhoffte Wirkung einer gesell­schaftlichen Einigung. Die von Gott eingesetzte Ordnung in die, die beten, die, die Krieg führen und die, die arbeiten, versteht sich nicht mehr von selbst, sondern muß sich der Frage nach der Gerechtigkeit stellen. Willkür und Anmaßung der Herren werden nicht mehr widerstandslos hingenommen. Viele junge Menschen fühlen sich angezogen vom schnellen Reichtum und Glanz des Raubrittertums.

Auch der junge Meier Helmbrecht will ein solcher Ritter sein und setzt die ganze Kraft und Wildheit seiner Jugend darein, dieses Ziel zu erreichen. Aber er ist ein Bauernsohn und die eigentliche Ungeheuerlichkeit liegt in diesem Tabubruch. Eine Ritterrüstung hatte den Gegenwert eines mittleren Bauernguts, Helmbrechts Mutter und Schwester verhelfen ihm so gut wie möglich zu einer solchen ritterlichen Ausrüstung zu kommen, während sein Vater alles tut, um ihn auf dem rechten, dem bäuerlichen Weg zu halten. Der junge Helmbrecht schlägt die väterlichen Mahnungen in den Wind, raubt, mordet, vergewaltigt, kann sich der weltlichen Gerichtsbarkeit aber nicht entziehen und wird verstümmelt, geblendet und gelyncht.

Die Geschichte handelt vom verzweifelten Aufbegehren und traurigen Scheitern eines jungen Menschen, der voller Saft und Kraft – und Illusionen ist.

Freiheit und Unfreiheit sind heute eigentlich ebensowenig wie Armut und Reichtum noch Fragen der Geburt. Aber die leidenschaftliche Zerstörungswut junger Menschen gegen vorgefundene Zwänge und starre Strukturen bleibt ein dramatischer Stoff. Kinder, die ausbrechen aus dem Vatergebäude, ihr Glück suchen, auf die schiefe Bahn geraten und blind in ihr Verderben rennen; Kinder, die die Welt nicht nehmen können, wie sie ist, weil sie jedenfalls nicht wollen, daß sie so ist oder bleibt – Realitätssinn hin oder her. Eltern, die mächtige Geschenke machen, wenn sie sich machtlos fühlen, Eltern, deren Mahnungen kraftlos sind und folgenlos bleiben, weil ihre Welt nicht überzeugt.

In der modernen Fassung von Martin Lüttge sympathisiert der Zuschauer dieses unchristlichen Albtraums mit den kleinen Anzeichen von menschlicher Zuneigung, Schwäche und Vergebung; mit grimmiger Sympathie für den gescheiterten, schönen Feuerkopf.

Grafisch hat Eva-Maria Grütter das Verbale und Knox die Illusion geschaffen, Beate Baumm die treibende Übersicht erhalten und Priessenthal mit aller Kraft die Produktion gestemmt. Michael von Gagern hat Texte bedacht, Thomas Lüttge fotografiert, und ganz viele Menschen haben unglaublich viel geholfen.

Die künstlerische Leitung lag intuitiv bei Martin Lüttge und die Exekutive bei Herrn Bürgermeister Steindl; die schauspielerische Leistung, die Umsetzung von Musik und die Ausarbeitung der Licht- und Bühnen-Gestaltung waren herausragend. Ob nun über die Bearbeitung des geistigen Inhaltes gestritten wird oder nicht – es war bewährte Priessenthal-Manier, denn: wir wissen, was wir können und das machen wir stets besser.

Der Helmbrecht kommt von hier, auf der Burg zu Burghausen hat er gestanden, der Wernher der Gaertner und gesungen seine blutsdunkle Vater-Sohn-Katastrophe. Die Menschen hier, vor allem die älteren und heimatgeschulten kennen ihren Helmbrecht. Meine Frage an die Autoritäten, die Väter war: ‘was habt ihr euren Kindern zuzurufen?’

Gemeinsam mit dem Kulturreferat der Stadt Burghausen und mit beeindruckender Unterstützung vieler Familienbetriebe und Firmen des Mittelstandes wurde eine Plakat-, Postkarten- und Fahnen-Aktion gegründet, wobei Zitate und Übertragungen heutig von Autorität zu Jugend gerufen wurden.

Die Spruchplakate entstammen teils dem Originaltext, teils wurden sie in Anlehnung an damalige und heutige Autoritätsproblematiken entwickelt. Sinn und Wirkung ist die assoziative Spannung zwischen den beiden Fahnenwörtern und dem Zitat in der Mitte.

 


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